Artikel Navigation

Der erste Wellenflug

 

 

Welle..!?



Wenn ich so in meinem Flugbuch blättere, fallen mir so einige Geschichten ein. Manche davon erzählt man besser nicht (Jochen, du erinnerst dich an unsern Landeanflug mit der ASK-13? ;-)) ), die anderen wiederum zeigen einmal mehr, was für schöne Erlebnisse sich mit diesem Sport verbinden können:

Es war der erste Tag, an dem ich wieder fliegen durfte, nachdem ich mir meinen Kopf ein wenig eingerannt hatte (was muß der doofe Lepo auch da rumstehen - aber das ist 'ne andere Geschichte). Um genauer zu sein, es war Mitte Mai, und schon morgens quallerten die cu hoch, dass es eine wahre Pracht war. Zwei Starts hatte ich schon, einen mit Fluglehrer Uli (ein schöner Flug war das, einmal quer durchs Nagoldtal, dann über's Waldachtal in einem großen Bogen wieder zurück), einen mit der Ka8. Nur der Wettergott hatte nix für meine Fluggeilheit übrig, denn er schickte uns ein wunderschönes Gewitter. Also: Einhallen! Aber wie das so ist, glücklicherweise verzog sich selbiges recht bald wieder und die Sonne schien. Ein Überbleibsel der Gewitterfront sollte mir dann einen wunderschönen Flug ermöglichen, denn der Wind kam ziemlich kräftig, aber laminar, aus West bis Nord-West. Der Flugauftrag war gesichert, und Gerolf saß auf der Winde (hey, damals warste noch am üben *zwinker*). In 650 m, was mein bisheriger Rekord ist, klinkte ich aus, und flog südlich in den Übungsraum. Was für ein Versatz, aber die Luftströmung ansich war absolut ruhig, und so "parkte" ich die Ka8 bei ca 65 km/h über dem Dürrenhardter Hof - Drachenfliegen war angesagt!

Doch was war das, statt dass sich mein Höhenmesser wie erwartet nach unten bewegte, kletterte der Zeiger langsam, aber stetig nach oben, das Feinvario zeigte knapp 0,5m Steigen an?! Ich trimmte mein Maschinchen etwas schneller und flog am Platz entlang. Noch besseres Steigen, inzwischen war ich bei fast 800 m angekommen. Ein sehr flacher Kreis zurück, durch den Windversatz wieder über dem Hof - das gleiche Spiel von neuem, langsam nähere ich mich der 900 m Marke. Die ersten Funksprüche kommen an: "21 hast du Steigen??" fragt Jean-Marie, und ich antworte "Positiv, im Geradeausflug 'nen halben Meter".

 

Foto von Friedrich Föst, Juli 1999, 19:30 MEZ, Nationalpark Jotunheimen (1200m) , Norwegen

Naja, die typische Lenticularis hatte ich zwar nicht, aber so sieht sie aus (Bild von der Wolkenseite)

 

Die Luft ist absolut ruhig. Ich kann die Trimmung zurücknehmen bis auf knapp über 60km/h, lasse den Knüppel los, nehme die Füße aus den Pedalen und schaue zu, wie da unten auf einmal Hektik aufkommt: Alle wollen mit in diese - soviel ist mir inzwischen klar - Sekundärwelle, die sich da direkt neben dem Platz gebildet hat. Aber keiner schafft es mehr, da hineinzukommen - ich hab mal wieder Schwein gehabt :-).

Zum dritten Male fliege ich am Platz vorbei, fast 950 m sind inzwischen erreicht. Doch der Wind dreht, zuerst wird die Luft turbulent, dann ist es ganz aus mit der Herrlichkeit. So langsam und ruhig es hinaufging, so schnell und ruppig gehts nun auch wieder abwärts.

Nach 33 Minuten berührt die Kufe meines stolzen Vogels wieder den heimischen Boden. Ich rolle an den linken Rand der Bahn, bleibe aber noch sitzen, und lasse die letzte halbe Stunde nochmal vor meinen Augen Revue passieren. Nur der Zuruf meines Rückholers, der mit dem Traktor dasteht und verständnisslos zu mir rüberschaut, holt mich endgültig zurück auf den Boden. Und, haben die "alten Hasen" nicht beim abendlichen Bier den Jungadler auf einmal ganz anders angeschaut? Vielleicht hab ich mir das auch nur eingebildet. Was bleibt, ist die Erinnerung an meinen ersten Wellenflug am 15.5.1993.

Seitenaufbau in 0.03 Sekunden
3,211,559 eindeutige Besuche